Kastrationsaktionen im Landkreis Peine

Ursachen und Durchführung

Ursachen und Auswirkungen:

Wildlebende, scheue Katzen leben meist auf Grundstücken, wo sie nur wenige Menschenkontakte haben. Oft sind es Nachkommen von nicht kastrierten Hauskatzen mit Freigang oder von ausgesetzten Katzen. Durch den fehlenden Kontakt oder aus negativen Erfahrungen mit Menschen werden diese Tiere scheu und geben das Verhalten an ihre Jungen weiter.
Wildlebende Katzen werden von Futterstellen für Igel angezogen, oder von Menschen, die auf ihrem Grundstück Futterstellen für ihre eigenen Katzen einrichten.
Nicht alle Gemeinden haben eine Kastrationsverordnung und nicht jeder Halter, der seinem Tier Freigang ermöglicht, lässt die Katze oder den Kater kastrieren. An den Menschen gewöhnte Katzen werden von ihrem Haltern aus unterschiedlichen Gründen ausgesetzt und verwildern. Zusätzlich werden die Katzen wegen der längeren warmen Jahreszeit und der milderen Winter der letzten Jahre mehrfach im Jahr trächtig.
Menschen füttern aus Mitleid die wildlebenden Katzen und locken damit immer mehr Tiere an. Diese Katzen sind zwar einigermaßen versorgt, werden allerdings auch regelmäßig trächtig. In diesen großen, wildlebenden Katzenpopulationen breiten sich Infektionskrankheiten aus, die die Tieren schwächen und ihnen einen frühen, oftmals leidvollen Tod bescheren. Die sich ausbreitenden Krankheiten gefährden Haustiere in der Umgebung und Halter.
Wenn ein wildlebendes Rudel auf eine Stärke von 15 oder mehr Katzen angewachsen ist, fühlen sich die Anwohner des Reviers von der erdrückenden Menge an Tieren bedroht.
Manche Menschen resignieren vor dem Elend, hören auf zu füttern und schauen weg. Die an die Fütterung gewöhnten Katzen ziehen in andere Gebiete ab, begleitet von ihren Krankheiten oder sterben.
Zum Glück informieren oftmals die Anwohner eines Reviers mit wildlebenden, verelendeten Katzen das Tierheim Peine oder bekannte ehrenamtliche Mitarbeiter des Vereins und sorgen durch ihr Engagement dafür, dass das sich ungebremst vermehrende und kranke Rudel zu einer Angelegenheit des Tierschutzes in Peine werden.
Die Tiere werden im Zuge der Kastration von den beteiligten Tierärzten entfloht und entwurmt. Kleinere Verletzungen werden versorgt, bevor die Katzen wieder in ihrem Revier ausgesetzt werden. Wegen des fehlenden Nachwuchses nimmt die Zahl der wildlebenden Katzen im Revier ab. Die kastrierten Katzen leben länger, sind gesünder und stellen keine Gefahr mehr dar.
Manchmal jedoch ist ein Katzenrudel zu groß geworden, um es wieder im angestammten Revier auszuwildern. In einem solchen Falle müssen die ehrenamtlichen Vereinsmitglieder gleichermaßen das Fangen, die Kastration und anschließende tiergerechte Unterbringung planen und organisieren. Katzenkitten werden auf Pflegestellen untergebracht, um sie mit großem Einsatz an Menschen zu gewöhnen und ihnen eine gute Vermittlungschance in ein dauerhaftes Zuhause zu geben. Bei erwachsenen Tieren aus wildlebenden Beständen ist eine spätere Prägung auf den Menschen fast unmöglich. Zu groß sind Ängste und Unsicherheiten der Tiere vor den Menschen geworden.


Ehrenamtliche Helfer und die Aktionen:

Ehrenamtliches Engagement im Tierschutz mit dem Schwerpunkt der Kastration wildlebender Katzen ist eine große Herausforderung für die Beteiligten, die überwiegend voll berufstätig sind und ihr Ehrenamt mit Beruf und Privatleben in Einklang bringen müssen. 2012 haben wir unsere erste Kastrationsaktion in Peine und den Nachbargemeinden geplant und durchgeführt. Die Anzahl dieser Aktionen hat in den Folgejahren so deutlich zugenommen, dass sich im Tierschutzverein Peine und Umgegend eine eigene Taskforce für Kastrationsaktionen etabliert hat. Diese Gruppe setzt sich aus ehrenamtlichen Helfern und Beirats- sowie Vorstandsmitgliedern zusammen und nutzt eigene Kommunikationskanäle über soziale Medien. Die Arbeitsweise und die Organisation dieser Gruppe ist so effektiv geworden, dass wir pro Jahr ungefähr 100 Katzen einfangen und von den die Aktion begleitenden Tierärzten kastrieren lassen können.
Wenn Anwohner dem Tierheim oder dem Verein ein wildlebendes Rudel in ihrer Nachbarschaft melden, wird die Gruppe informiert und ein Mitglied macht sich mit Unterstützung der Anwohner vor Ort kundig. Es müssen die Anzahl der Tiere, die altersmäßige Zusammensetzung des Rudels sowie die Besonderheiten des Geländes in Erfahrung gebracht werden. Weiterhin muss geklärt werden, ob die Anwohner die Katzen nach der Kastrationsaktion weiter versorgen können oder ob die Tiere vom Tierheim aufgenommen werden müssen.
Nachdem alle Informationen zum betreffenden Katzenrudel eingeholt worden sind, wird von den Mitgliedern der Kastrationsgruppe ein Aktionsplan erarbeitet, in dem die beteiligten Helfer und Tierärzte nach ihren zeitlichen Möglichkeiten und Kapazitäten Termine festlegen.
Die Anwohner des Katzenreviers werden gebeten mit dem Beginn der Aktion die Tiere nicht mehr zu füttern, damit diese leichter in die mit Futterködern beschickten Lebendfallen gehen, um gefangen zu werden. Oftmals können wir größere Rudel innerhalb weniger Tage einfangen und kastrieren lassen, manchmal ziehen sich diese Aktionen aber über Wochen hin, da die Tiere nach einem misslungenen Fangversuch extrem ängstlich und scheu reagieren.
Die beste Lösung für die Katzen ist immer die Rückführung in ihr angestammtes Revier, in dem sie von engagierten Anwohnern versorgt werden. Wenn dies nicht möglich ist, bleibt nur die Abgabe an das Tierheim Peine. Für ein wildlebendes Tier stellt die Unterbringung allerdings den vollständigen Verlust seiner individuellen Freiheit dar, viele Tiere reagieren deshalb auf die Quarantäne mit erheblichen Wesensveränderungen. Spätere Halter, die diese Tiere übernehmen, müssen viel Zeit, Geduld und Katzenliebe aufbringen, um den Katzen erneut zu Lebensfreude zu verhelfen.
Die Kastration eines Katers kostet immerhin ca. 50 und die einer Katze ca. 90 Euro, ein Aufwand, den der Tierschutzverein Peine und Umgegend bei der schieren Anzahl an noch unkastrierten, wildlebenden Katzen in unseren Gemeinden nicht stemmen kann. Genauso wichtig wie die Unterstützung unserer Aktionen durch Spenden sind weitere engagierte, ehrenamtliche Helfer, um die Last auf mehr Schultern zu verteilen und die Gruppe effektiver und flexibler zu machen. Da der beste und lohnenswerteste Tierschutz immer der am eigenen Ort ist, den man kennt und schätzt, ist diese Engagement in hohem Maße nachhaltig und befriedigend.


Unterstützung oder Fragen:

05171-52558
info@tierheim-peine.de